Nahversorgung: Nur 53 % Kaufkraft-Bindung

Wie sichern wir die Nahversorung in unserer Gemeinde mit 17 Dörfern für über 10.400 Einwohner? Wie können wir die Kaufkraft-Bindung verbessern, ohne durch zuviele Supermärkte und Discounter in Kirchlinteln die dezentrale Einzelhandelsstruktur in der flächengrößten Gemeinde des Landkreises zu beeinträchtigen? Wo soll der einzige Lebensmittel-Vollsortimenter in Kirchlinteln einen größeren Neubau im Grundzentrum Kirchlinteln errichten dürfen? Antworten auf diese Fragen soll auch eine Bürgerbefragung liefern, die jetzt von der CDU-Fraktion Kirchlinteln beantragt wird, nachdem die CDU-Ratsmitglieder das Thema am 29.10.2009 intensiv beraten haben.Die Sicherung der Nahversorgung, insbesondere die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs gewinnt in Zeiten des Demographischen Wandels (Alterung der Gesellschaft, Rückgang der Einwohnerzahlen) und unter Berücksichtigung der Kosten für Fahrten zum Einkaufen eine immer größere Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit von Dörfern im ländlichen Raum. Eine Reduzierung der Einkaufsfahrten und ein verstärktes Einkaufen vor Ort ist durch die CO 2-Minderung auch ein Beitrag zum Klimaschutz. In unserer flächengroßen Gemeinde Kirchlinteln mit fast 10.500 Einwohnern in 17 Ortschaften und mit teilweise weiten Wegen ins Grundzentrum Kirchlinteln (bis 15 km aus dem Kleinbahnbezirk) würde uns eine „zentrale Einzelhandelsstruktur“ (überwiegend im Grundzentrum Kirchlinteln) nur bedingt helfen. Wichtig ist für unsere Gemeinde eine „dezentrale Einzelhandelsstruktur“ mit mehreren Lebensmittel-Einzelhandelsgeschäften und Bäckereien in verschiedenen Ortschaften:
Lebensmittel-
  • Bendingbostel
„Lintler Laden“
Einzelhandel:
  • Hohenaverbergen
Edeka-Geschäft Meyer
  • Kirchlinteln
Lebensmittel Krancke
  • Otersen
Dorfladen Otersen
  • Neddenaverbergen
„nah & gut“ Familie Wolff
Bäckereien:
  • Holtum (Geest)
Bäckerei Rotermundt
  • Kirchlinteln
Landbäckerei Wöbse
  • Luttum
Bäckerei Meyer
Vollsortimenter:
  • Kirchlinteln
Edeka Neukauf
*1)
Discounter:
  • Kirchlinteln
Penny
*2)
*1) „Vollsortimenter“: i.d.R. 10.000 - 15.000 Artikel, ausgeprägter Frische-Bereich
*2) „Discounter“: i.d.R. bis 1.500 Artikel, einfache Warenpräsentation,                            eingeschränkter Frische-Bereich
39 Einzelhandelsbetriebe versorgen in unserer Gemeinde 10.485 Einwohner. Die Verkaufsfläche pro Einwohner beträgt in unserer Gemeinde Kirchlinteln: 0,60 qm Zum Vergleich: Thedinghausen: 0,99 qm Langwedel: 1,28 qm Verden: 2,56 qm pro Einwohner Die vorgenannten Zahlen (qm Einkaufsfläche pro Einwohner) machen deutlich: Wir haben in unserer Gemeinde nicht zu viel, sondern eher zu wenig Einzel-handel. Trotzdem wollen wir nicht für den 4. oder 5. Supermarkt und Discounter im Grundzentrum unserer Gemeinde (Ortschaft Kirchlinteln) sorgen, sondern
  • weiter den beschriebenen, dezentralen Lebensmittel-Einzelhandel fördern
  • für ein zeitgemäßes, angemessenes Angebot im Grundzentrum sorgen.
Um die Nahversorgung dauerhaft in allen Teilen unseres Gemeindegebietes zu sichern und den Einzelhandel insgesamt zu fördern, sollte es das Ziel der Ge-meinde und möglichst aller Einwohner sein, so viel Kaufkraft wie möglich bei den Anbietern in unserer Gemeinde zu binden - also: „Einkaufen wo man wohnt. Die Kaufkraft-Bindung innerhalb der Gemeinde wird in einer aktuellen Erhebung (Stand 28.7.2009) der IHK Stade für den Elbe-Weser-Raum in der Kennziffer „Zentralität“ als Maß für die Attraktivität einer Stadt/Gemeinde als Einkaufsort ausgedrückt. Diese Kennziffer stellt praktisch das Ergebnis aus Kaufkraftzufluss und Kaufkraftabfluss dar. Die von der GfK Marktforschung für die IHK erhobene Zentralitäts-Kennziffer beträgt für die Gemeinde Kirchlinteln 24,1 Daraus ist abzuleiten: Nur etwa ein Viertel (24,1 %) der Kaufkraft wird durch den Einzelhandel innerhalb unserer Gemeinde gebunden. Rund 75 % der Kaufkraft unserer Einwohner fließt in andere Gemeinden / Städte ab. Zum Vergleich: In unserer Nachbar-Gemeinde Visselhövede werden 91,5 % der Kaufkraft und in unserem Mittelzentrum Verden 141,5 % der Kaufkraft (deutlicher Kaufkraft-Zufluss von außen) gebunden. Weitere Detail-Ergebnisse bietet eine vor fast vier Jahren für den Kommunal-verbund Niedersachsen-Bremen erstellte Erhebung zur Einzelhandelsstruktur in den Gemeinden unserer Region. Die 2006 ermittelten Kennziffern:
a.) Nahrungsmittel, Lebensmittelhandwerk 53 % *)
a.) Drogerie/Parfümerie, Apotheken 32 %
b.) Zeitungen/Zeitschriften 12 %
*) Im Lebensmittelhandel und -handwerk wurden nach dieser Erhebung aus 2006 mit einem Umsatz von 9,6 Mio. € 53 % der Kaufkraft (18 Mio. € für Nahrungsmittel) in unserer Gemeinde gebunden.                                            Zum Vergleich: in Langwedel 125 %, in Thedinghausen 117 %, in Verden 177 % Im gesamten Einzelhandel betrug die 2006 von der BBE-Unternehmensberatung ermittelte Zentralitäts-Kennziffer für Kirchlinteln 34 % (2009: 24,1% lt. GfK). BackwarenEinkaufen am Wohnort bzw. in der Heimat-Gemeinde“ und die Bindung der Kaufkraft in der eigenen Gemeinde setzt ein ausreichend attraktives Angebot voraus. Vor diesem Hintergrund sind die Pläne des in Kirchlinteln ansässigen Discounters zu sehen, der eine Erweiterung seiner Verkaufsfläche plant. Vollsortimenter Edeka plant bekanntlich einen Neubau in der Ortschaft Kirchlinteln, um sein Sortiment deutlich erweitern und das Frische-Angebot zeitgemäß gestalten zu können. Nach Angaben von Edeka ist eine Erweiterung und damit verbunden eine Vergrößerung des Parkplatzes am jetzigen Standort in Kirchlinteln wirtschaftlich nicht möglich. Supermärkte bzw. Discounter gelten auch als „Anker“ bzw. als „Magnet“ für weitere Einzelhandelsgeschäfte. Deshalb ist die Standort-Wahl auch für die Orts- und Gemeinde-Entwicklung insgesamt von besonderer Bedeutung. Aus anderen Gemeinden gibt es unzählige Beispiele für eine Ansiedlung neuer Supermärkte am Ortsrand „auf der grüne Wiese“. Die Ansiedlung vor dem Ortseingang ist oftmals die einfachste Lösung. Vielfach ist die Neuorientierung der Kunden-Frequenz und der Kaufkraft aus dem Ortszentrum heraus an den Ortsrand die Folge, mit Konsequenzen für kleine Einzelhändler - weil in der Dorfmitte die „Laufkundschaft“ abnimmt. Ansiedlungen im Ortszentrum stellen Gemeinden und Planer dagegen vor größere Herausforderungen- stärken aber das Zentrum.


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