Einsparung? Ja – Bücherei-Aus? Nein!

Trotz notwendiger Einsparungen bei den Personalkosten soll die Gemeindebücherei in Kirchlinteln erhalten bleiben. Bei einem eineinhalbstündigen Besuch der CDU Kirchlinteln und im Verlauf eines konstruktiven Gesprächs mit den beiden engagierten Bücherei-Mitarbeiterinnen Heilwig Dyck und Ingrid Albrecht, empfahl Fraktionsvorsitzender Günter Lühning die Gründung eines Fördervereins für die Bücherei und die Einbindung ehrenamtlicher Mitbürgerinnen und Mitbürger. Seit Jahren trägt die Gemeinde einhundert Prozent der Personalkosten, während in kommunalen Büchereien gut 20 Prozent der Beschäftigten und in Büchereien von kirchlichen Trägern 98 Prozent ehrenamtlich aktiv sind.

57 Prozent der insgesamt 12.000 öffentlichen Bibliotheken werden von Städten und Gemeinden und 42 Prozent werden von kirchlichen Trägern betrieben – mit entsprechendem ehrenamtlichem Bürger-Engagement, habe das Institut für Kulturpolitik in Bonn ermittelt, berichtete Günter Lühning



Heilwig Dyck und Ingrid Albrecht



Mit 12 Stunden wöchentlicher Öffnungszeit sei das jetzige Kirchlintelner Bücherei-Angebot im Vergleich zu anderen ländlichen Gemeinden gut. „In anderen Landgemeinden in unserer Region können die Büchereien wöchentlich nur drei, fünf oder sechs Stunden – bis maximal zwölf Stunden genutzt werden", leitete Günter Lühning in die Diskussion ein.  Schulausschuss-Vorsitzender Holger Cordes hob die gute Arbeit der Bücherei-Mitarbeiterinnen und die Bedeutung der Bücherei für den Bildungsstandort Kirchlinteln hervor. „2.644 Besucher und 6.446 Buch-Ausleihungen haben wir im letzten Jahr registriert„, berichtete Heilwig Dyck. „Bis zu 50 Kinder nutzen in der Schulpause die Schulbücherei" ergänzte Ingrid Albrecht. Aufgrund des Rekord-Fehlbetrages im Gemeinde-Haushalt hat Bürgermeister Wolfgang Rodewald eine Kürzung der Personalkosten um 11.200 Euro vorgeschlagen. „Wohl oder übel müssen wir in vielen Bereichen Einsparungen vornehmen, um einen genehmigungsfähigen Haushalt zu erreichen. Würde uns dazu der Mut fehlen, würde in nicht so ferner Zukunft die Aufsichtsbehörde rigorose Streichungen mit einem dicken Rotstift vornehmen", betonten die Ratsmitglieder. „In der schwierigen finanziellen Situation reicht ein Streichkonzert alleine aber nicht aus. Gute Einrichtungen dürfen im Ergebnis nicht gefährdet werden, sondern sollten mit kreativen Lösungen und Bürger-Engagement zukunftssicher gemacht werden„, empfahl Günter Lühning. Sein Ratskollege Fred Martens berichtete aus anderen Schulen vom besonderen  Engagement von Schülern. Durch eine Schüler-Firma oder eine „Schüler für Schüler-AG" könnte die Schulbücherei mit aktuell acht Stunden Öffnungszeiten pro Woche gestärkt werden.

Die Gemeindebücherei mit vier Stunden Öffnungszeit könnte durch ehrenamtliches Bürger-Engagement für die Zukunft durch einen Förderverein abgesichert werden. Arne Jacobs, früher Schüler der Schule am Lindhoop und seit 2010 Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes Kirchlinteln erinnerte daran, zu welchen Leistungen das Ehrenamt in der Lage ist und nannte beispielhaft die Feuerwehren und den Bürgerbus-Verein. Ratsherr Stephan Jeite schlug zur Qualitätssicherung der Gemeindebücherei die Zahlung eines moderaten Kostenbeitrag durch Erwachsenen vor, die Bücher ausleihen, das sei auch in anderen Büchereien üblich und nicht kostenfrei wie in Kirchlinteln. Möglich sei auch die schlanke Abwicklung durch Zahlung eines Jahresbeitrages von 10, 12 oder 15 Euro an einen Förderverein, entwickelten die CDU-Ratsmitglieder gemeinsam mit Heilwig Dyck und Ingrid Albrecht Lösungsvorschläge, um die Gemeindebücherei dauerhaft zu erhalten.

„Durch dieses gemeinsame Gespräch ist erst klar geworden, welchen sozialen Stellenwert eine Bücherei hat", resümierte abschließend Ratsfrau Karin Wiedemann. Die Bücherei könne zukünftig noch an Bedeutung gewinnen, wenn es gelingt, gemeinsam mit engagierten Bürgern auch zusätzliche Angebote zu integrieren. Am Dienstag dieser Woche wurde beim Bundesbildungsministerium die „Allianz für Bildung" vereinbart. In einer Erklärung des Bibliotheksverbandes nennt dieser die weitere Einrichtung von offenen Hausaufgabenbetreuungen-, Lesetrainings und Vorleseangeboten in Kooperation mit Vorlesepaten als weitere Ziele.



1 Kommentar

  1. 1. Marcel Iden

    Kommentar vom 24. Februar 2011 um 21:26

    Sehr guter und interessanter Artikel.
    Beim Punkt Gebühren (soweit diese eingeführt werden müssen) würde ich euch eine Bezahlung nach unserer Verdener Bücherei empfehlen. Ist an sich ganz gut gemacht: http://www.verden.de/inhalt/datei.php?id=OTA3MDAxODU4Oy07L3Vzci9sb2NhbC9odHRwZC92aHRkb2NzL2Ntcy92ZXJkZW4vbWVkaWVuL2ludGVybi9zYXR6dW5nXzIwMDZfYWt0dWVsbC5wZGY%3D (§13) Somit beachtet man sowohl eine Vergünstigung sozial schwächerer als auch für Kinder 😉 Denke mit euren Vorschlägen seid ihr mit eurer Bücherei ansonsten auf gutem Wege =)

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